Reise durch Jordanien

Am Toten Meer, durch die Ruinen von Petra und nach Aquaba

Hangzhou - wo ist das denn?

Glücklich im Dauerregen

Shanghai - eine erste Annäherung

Auf der Suche nach dem alten Shanghai

Peking: die etwas andere Stadtrundfahrt

Mit Beijing Sideways im Motorradgespann durch die Metropole

Hallo Peking!

Auftakt zu meiner Reise durch China

Inselhopping auf den Malediven

Und warum in meinem neuen Domizil ein Sofa im Sand steht

Traumziel Malediven

Und warum mein Einstieg ins Paradies von Misserfolgen gekrönt war

Kapstadt: Unterwegs mit der Condor Crew

Ihre besten Tipps für die Metropole Südafrikas

Mein Tag als Flugbegleiterin bei Condor

Nenn mich bloß nicht Saftschubse

Curacao: Ich mach dann mal blau

Auftakt zu einer bunten Reise

Mein Wochenende in Brügge

Eine überraschend schöne und ruhige Stadt

Unendliche Weiten

Mein Bilderbuch Amerika - aus der Windschutzscheibe

Harley Davidson fahren in den USA

Verjüngungskur inklusive

Hit the road, Gigi

Zum ersten Mal in meinem USA Road Trip Wohnmobil

Audienz bei Food-Gott von Chicago

Mit ABC-Reporter Steve Dolinsky auf Restaurant-Tour

Heartland USA: Start ins Abenteuer

Und am liebsten gleich alles nochmal...

Berlin: Neues aus der Food-Szene

Und ich Glückspilz habe gleich zwei neue leckere Nachbarn...

Singapur - im Streetfood Himmel

Einen ganzen Tag lang nichts als bestes Essen...

Schatzsuche im Bretonischen Meer

Und man denkt, man ist in einem Film gelandet

Ein Sommer-Wochenende in Glasgow

Das coolste Hotel und die besten Locations in der schottischen Metropole

Lyon im Sommer

Ein echter Vintage-Traum

Ein perfekter Tag in Toronto

Die besten Restaurants und ein luftiges Abenteuer in 24 Stunden

Zum Tanzen auf die Prince Edward Island

Und das mit einem Koch, der die Frauen der Insel zum Seuzen bringt

Von dichtenden Hummerfischern, coolen Köchen und Weinen, die Moose Juice heißen

Ein perfekter Tag in der Eisberghauptstadt Twillingate

Neufundland: Eisberg voraus!

Erster Stop meiner Kanadarundreise - und schon ein Paradies gefunden

Spontaner Surfkurs in der Bretagne

Und dann auch noch mit einem Vize Europameister, Alter!!!

Gourmet-Segeltrip an der Smaragdküste

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch....

Per Instagram durch die Bretagne

Bildreicher Auftakt zu einer mir vorher unbekannten Schönheit

Seychellen - meine Ein-Tag-Trauminsel

Und warum ich mit meinem schönen Kleid und der schönen Kristin an der Hand ins Meer gesprungen bin

Seychellen - Ankunft im Paradies

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Im Land der Elefantenbäume

Und warum die Dickhäuter sich nicht an Früchten betrinken können

Auf Safari in Südafrika

Die Big Five in drei Tagen - mit Video

Tipps für Alleinreisende Frauen

Wie man auch allein sicher unterwegs ist...

Rhône-Alpes... im Französischen Schlaraffenland

Auftakt zu einer Reise zu den Sternen

Best of: Meine Mini-Weltreise

Mit Video und kleiner Statistik à la Reisefreunde....

Auf Fototour durch Angkor Wat

Wer lernen will, muss früh aufstehen....

Letzte Etappe Kambodscha

Wiedersehen mit zwei Freundinnen und Schock in Siem Reap....

Saigon: Mein herzensguter Abschied aus Vietnam

Und was ein Polizist und eine alte Frau damit zu tun haben....

Bäuerin für einen Tag

Und warum ich in ein Korianderbeet gesprungen bin...

Trottel-Ich

Wenn romamtische Träume nicht wahr werden. Oder: die schrecklichste Zugfahrt meines Lebens.

My little Schlaraffenland

Zwei Tage bestes Street Food in Hanoi

Die Elefanten-Flüsterin

Unterwegs mit den Dickhäutern im Goldenen Dreieck von Thailand

Chiang Mai: Ein Traum wird wahr

Oder wieso ich morgens als verschwitzter Dreckspatz im schönen Spa stand

Der Himmel auf Erden

Im Goldenen Dreieck in Thailand im märchenhaften Luxus-Camp

Lecker: Koch-Samstag mit Gian Luca

Neue Rubrik bei Reisefreunde: Lecker! Ein Toskanischer Koch nimmt mich mit zum Einkaufen und verrät seine Rezepte

Locanda al Colle... ti amo!

EIn Kleinod in der schönen Toskana. Ein wahrer Charming Place...

Petra: Auf den Spuren von Indiana Jones

Ich war 17 Jahre alt, als ich mit Popcorn und Cola bewaffnet im roten Kinosessel in meiner Heimatstadt Hameln saß, gebannt auf die Leinwand starrte und die Welt um mich herum verschwand. Harrison Ford rannte durch in Fels geschlagene Tempel, ritt auf Pferden durch Schluchten und erledigte Schurken. Und ich fieberte mit. Aber ich wusste nicht, wo die letzte Szene von Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gedreht wurde. Ich wusste nur:  die Landschaft war atemberaubend.

All das fällt mir wieder ein, als ich durch das Tor zu den Ruinen von Petra gehe. Die Stadt Petra in Jordanien liegt in einer Talsenke auf dem halben Weg zwischen dem Toten Meer und Akaba. Ihre Ruinen sind weltberühmt und UNESCO-geschützt, ich schätze jeder Tourist, der das Land bereist, kommt hier her. Nur Vollidioten lassen diesen Ort aus.

Ich bin mit Wasser, einem Sandwich und einem Apfel bewaffnet. Ich habe es zum Glück nicht weit. Mein Hotel, das Mövenpick Hotel Petra liegt nur zwanzig Meter vor dem Haupteingangstor. Alle Nase lang schießt ein Beduine an mir vorbei, bietet mir seine Dienste an – wahlweise auf einem Esel oder Pferderücken oder in einer Kutsche das Gebiet zu erkunden. Aber ich lehne jedes Mal ab. Es gibt Orte, die man sich zu Fuß erarbeiten muss, Petra gehört dazu.

Und recht habe ich als ich zwischen die ersten Felsenschluchten am Siq trete und ich die Schönheit der Farben sehe, die in die Felsen geschlagenen Relieffiguren erkenne. In voller Fahrt auf der Kutsche oder auf dem ruckeligen Esel hätte ich all das schon mal gar nicht entdeckt.

Ein junger Mann spricht mich an, ich drehe mich um. Schwarzer Vollbart, große Sonnenbrille. Ich könnte schwören, er ist ein Einheimischer, aber er spricht Amerikanisch. Er stellt sich als Justin vor, Medizinstudent aus den USA, der ein paar Monate Praktikum in einem Krankenhaus in Amman machen will. 27 Jahre alt ist er. Vor zwei Tagen erst ist er in Jordanien angekommen. Wir beschließen uns die Ruinen gemeinsam anzuschauen. Sehr praktisch denke ich, falls ich irgendwo umknicke hab ich meinen eigenen Arzt dabei. 

Ziemlich nah am Anfang verschlägt uns der Khazne al-Firaun die Sprache. Das „Schatzhaus des Pharao“ ist eines der vielen Felsengräber. Beduinen warten lungernd davor, machen ihre Scherze mit den Touristen und bieten Kamelritte an. Oder geben den Kamelen Cola zu trinken. Ein skurriler Anblick. Neben mir schnappe ich ein Gespräch eines amerikanischen Paares auf. „Indiiii“ haucht sie zu ihm. Und er nimmt ihre Hand und brummt: „Let’s start with this adventure“. Die einstigen Kinder der 80er denken alle das gleiche.


Justin und ich latschen weiter, von der Höhe der Felsen umzingelt und von ihrer Schönheit fast erschlagen. 

Und dann startet eine Reihe von lustigen Begegnungen mit Beduinen. Wir klettern gerade zum Urnengrab hoch und kommen an etlichen Souvenirständen der Beduinen vorbei, als hinter uns einer ruft „Hey, you lost something“. Wir drehen uns suchend um. Gelächter folgt. „You lost your heart in Petra“. Ich falle vor Lachen fast eine der unebenen Stufen herunter. Wenig später, wir sind schon völlig außer Atem und passieren einen weiteren Stand mit Devotionalien als eine Beduinenfrau sagt. „Have a break, have a kitkat!“. Das Lachen nimmt uns den letzten Atem. Und wir pausieren wirklich und kaufen ihr ein Getränk ab.

Den Knaller aber erleben wir, als wir endlich -nach gefühlten zehn Tagen-  aber in Echt nach knapp 1,5 Stunden völlig verschwitzt die Berge zur Monastry, dem Ad-Deir Kloster erklommen haben. Über 800 Stufen muss man sich nach oben schleppen - aber es lohnt sich. Nur noch ein Berg liegt vor uns, von hier soll man den schönsten Ausblick über das Tal und den letzten Tempel hier haben. Ein einsamer Stand steht am Wegesrand. „Look look, nice presents“ ruft eine Frau zu meinem jungen Begleiter. Er schaut sie an. „Nice presents for your mother“! Ich glaube ich traue meinen Ohren nicht. Sehe ich sooo alt aus? Wir fallen in ein lautes Lachen. Justin will beschwichtigen. Die meint bestimmt meine Mutter zu Hause“. Ja klar..... Ich finde, neben den Jahrtausendalten Ruinen hier, sehe ich noch ganz frisch aus.   

Und dann reißt mich ein Geräusch aus meiner Mini-Depression. Ein Flötenspiel. Klar und deutlich. Wir drehen uns um und versuchen den Spieler ausfindig zu machen. 



Und da sitzt er – auf der Turmspitze der Monastry. Er spielt ein herzwärmendes Lied, es schallt durch das ganze Tal und wird von den umzingelnden Bergen zurückgeschickt. Und als der Spieler fertig ist, geht er in die Knie und springt ohne mit der Wimper zu zucken auf das etwa vier Meter entfernt liegende Dach des Tempels. Einfach so. Als wären dazwischen keine 20 Meter Tiefe. Wir halten den Atem an. Er landet gekonnt. „Besser als Kino“ sage ich zu Justin. Und er schaut mich an und haucht „Indiiiiiiii“.



Mehr Tipps für Petra:

Glaubt mir, es macht wirklich Sinn, die Ruinen komplett zu Fuß zu erobern – und zwar bis zur Monastry. Ich war insgesamt 7 Stunden vor Ort – die Zeit braucht man um sich alles anzuschauen. In den Ruinen selber gibt es einige Möglichkeiten Getränke und Snacks zu kaufen. Auch Toiletten gibt es. Der Eintritt in die Ruinen kostet 50 Dinar, das ist viel, lohnt sich aber wirklich.

Am Montag, Mittwoch und Donnerstag gibt es ein ganz besonderes Spektakel. "Petra by Night" heißt es - hier führen unzählige Kerzen und Faklen durch die Siq-Felsenschlucht zum ersten Tempel (dem" Indi Jones Tempel") und tauchten den Ort in mystisches Licht. Für diese Tour muss man noch einmal 12 Dinar zum normalen Eintrittspreis berappen - und sich unbedingt früh genug vorher anmelden, denn die Touren sind heiß begehrt.

In Petra ist die Stadt ebenfalls gut zu Fuß erkundbar. Man muss sich an die Impertinenz der lokalen Händler gewöhnen, die einen überall auf einen Tee einladen wollen, um einen in ihre Geschäfte zu locken. Einfach freundlich ablehnen, wenn man kein Interesse hat. Ich hatte es besonders bequem, mein Mövenpick Hotel lag direkt vor dem Eingang zu den Ruinen. Spießroutenlauf adé...


Auf meine Reise wurde ich von Mövenpick Hotels eingeladen. 

Jordanien: mein persönlicher heiliger Einstieg

Ich befinde mich am tiefsten Punkt der Erde. Beziehungsweise am tiefsten Punkt der Erde, der nicht von Wasser oder Eis bedeckt ist: 416 Meter unter dem Meeresspiegel und es fühlt sich eigenartig an. Auf dem Weg vom Flughafen von Amman runter zum Toten Meer in Jordanien ploppen meine Ohren wie auf dem Hinflug selbst. Ein eigenartiges Gefühl. Ebenso komisch: ich lande bei 6 Grad und steige 50 Minuten später am Mövenpick Hotel Dead Sea bei 19 Grad aus.

Es ist mein erster Besuch in Jordanien. Kurzfristig war ich gefragt worden, ob ich auf einer Mövenpick Hotel Konferenz einen Vortrag halten kann. Und genauso kurzfristig sagte ich zu. Unter der Bedingung, schon ein paar Tage früher anreisen zu dürfen um etwa mehr vom Land zu sehen.

Jetzt stehe ich in den wohl lustigsten Hotelpuschen aller Zeiten auf meinem Hotelbalkon mit Blick auf das Tote Meer. Der Mond steht hell über dem spiegelglatten Wasser und die Luft ist salzgeschwängert. Beruhigend schön. Von meinem Tisch in meiner Suite hole ich mir die Schokodatteln, mit denen man mir hier das Ankommen versüsst hat und trinke dazu eine Rotwein. Mann, geht es mir gut.

Am nächsten Morgen frühstücke ich traditionell jordanisch - mit Hummus, Fladenbrot, Obst und einem ganz köstlichem besonderen Quark. Eine schnelle Bewegung gefolgt von einem Sing-Sang neben mir reisst mich aus meinen Frühstücksträumen: "Miaaaaauuu". Und als wäre es in Sekundenschnelle neben mich gezaubert schaue ich in ein süßes Gesicht. Es hilft alles nichts, nach meinem Frühstück muss ich einfach was rausschmuggeln und den kleinen roten Teufel füttern. Normalerweise ernte ich dafür böse Blicke der Kellner. Hier aber bringt mir einer noch eine Scheibe Wurst hinterher. "He is always hungry" erklärt mir der Kellner und schmunzelt.

Heute will ich unter anderem mir die "Baptism Side" anschauen -  dort wurde Jesus getauft wurde, also angeblich. Der Ort ist nicht weit entfernt, ich bin mit dem PR-Manager des Hotels unterwegs. An einem Parkplatz steigen wir aus, gehen durch Metalldetektoren. Sicherheit wird hier überall groß geschrieben, aber das beunruhigt mich nicht. Ganz im Gegenteil.  Wir warten - wie ich höre - auf einen Zubringer. 

Per Shuttlebus zu Jesus. Ich finde den Gedanken lustig. Nach zehn Minuten sind wir da - und wir sind nicht die einzigen. Unser Guide scheucht uns und die anderen Besucher aus dem Bus in schnellen Schritten einen unscheinbaren Sandweg entlang. Heute sei ein Feiertag, deswegen könne es hier richtig voll werden, prophezeit er. Wie recht er hat. Nur wenige Meter weiter sehen wir die Massen, die eng aneinander gedrückt in nur kleinen Tippelschritten vorankommen. Zunächst reihen wir uns ein. Schätzungsweise 500 Menschen sind vor uns, ich sehe nur ihre Köpfe. Die Sonne knallt, die Luft steht und wir bewegen und kaum von der Stelle. Nach 25 Minuten haben wir vielleicht gerade vier oder fünf Meter geschafft. Vor uns liegen noch ca. 500 Meter oder mehr. Die Kuppel der Kirche kann ich immerhin von weitem sehen.

Nach weiteren 15 Minuten für zwei Meter wird es mir zu bunt und zu voll. Ich frage, ob man diesen Sightseeingpunkt als nichtgläubiger Mensch wirklich sehen muss. "Nope" sagt mein Begleiter zögerlich, grinst und wir beschliessen umzukehren. Ich glaube auch er ist irgendwie erleichtert. Zurück an der Bushaltestelle erneutes Warten. Kein Shuttlebus weit und breit. Neben uns sitzt ein Vater mit seinen drei Söhnen, er redet mit meinem Begleiter, ich verstehe kein Wort. Es folgt Gelächter und ein Handschlag und ich werde gebeten mitzukommen.

An einem Pick-up Truck bleiben wir stehen, die Jungs klettern hinein, der Vater setzt sich ans Lenkrad und mein Begleiter daneben. "Get in, they are taking us to our car". Die drei Jungs lächeln mich an, der Vater sagt "Welcome! Welcome to Jordan. This is how we role" und fährt uns die paar Kilometer zurück zum Parkplatz. Eine Bezahlung will er nicht haben. "It's my reward to show you how kind Jordans are" - sagt er als wir da sind. Statt Segnung durch den überlaufenen heiligen Ort habe ich nun also die Segnung durch echte Jordanier erfahren und gleich eines gelernt: man ist hier gastfreundlich. Per se. Zu jedem. Mein persönlicher heiliger Einstieg.

Später in der Altstadt von Amman schlendere ich durch kleine Märkte an bunten Ständen vorbei. Ich will eine Falafel essen, der Klassiker hier. Und während ich noch durch die Theke schiele, wie fingerfertig der ältere Herr hier die Kichererbsenällchen formt, habe auch schon sein Hand vor meiner Nase - auf einer Zange hält er eine frisch frittierte Falafel. "Try!" sagt er lächelnd. "My falafel is the best in town". Und das, obwohl ich doch eh schon gekauft hätte.... šukran!

Hey Jordanien, das war ein echt guter Start. Ich mag dich jetzt schon.


Auf meine Reise nach Jordanien wurde ich von Mövenpick Hotels eingeladen.

5-Sterne mit Gummistiefel-Verleih

Ich bin neidisch auf Jerry. Quietschend stapft er vor mir her. Er nimmt jede Pfütze mit Gleichmut - kann er auch. Er trägt nämlich Gummistiefel, der Profi. Ich hingegen fühle langsam die Nässe und Kälte an meinen Strümpfen, denn ich Dummerchen trage nur sommerliche Chucks und mein Regenschirm ist auch schon geknickt. 

Denn auch heute schüttet es aus Kübeln. Ich bin im Lingyin Tempel in Hangzhou. Mein Guide Jerry meint, ich könnte ja für gutes Wetter beten. Wenn der wüsste, dass ich nicht gläubig bin. Aber ich zünde ein paar Räucherstäbchen an und hoffe auf Erbarmen.



Beim Eintreten in einen der Tempel kommt mir die Idee. Wäre doch gelacht, wenn mir mein Hotel nicht helfen könnte. 

Wir fahren also zurück und ich betrete wie ein nasser Pudel die Lobby von meiner bescheidenen Hütte, dem Four Seasons Hangzhou. Ein paar Erklärungen und der mitleidige Blick der Empfansgdame auf meine durchweichten Schuhe reichen. Wenige Minuten später - die Wartezeit mit einem heißen Tee überbrückt - bekomme ich Leihgummistiefel vom Gärtner des Hauses. Sie sind zwar zwei Nummern zu groß, aber ich weiß, sie werden meine Gesundheit retten. DAS, werte Reisefreunde, ist Fünf-Sterne Service!

Jetzt quietsche ich also Jerry hinterher. Wir hören uns an wie zwei meckernde Enten. Überhaupt: Jerry. Er hat eine irrwitzige Geschichte. Alle möglichen Jobs hat er schon hinter sich. Und als die Amerikaner kamen, hat er sich selber Englisch beigebracht. Heute spricht er mit Amerikanischen Akzent. Fließend. Mit seinem Taxi- und Guideunternehmen hat er es zu Wohlstand gebracht. Und auf seinem Amaturenbrett liegt immer noch das rote Parteibuch. Das hilft ihm bei Verkehrskontrollen.


Jerry bringt mich zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt, deren Schönheit nur wage durch den Regen erkennbar ist. Ich ahne, dass es hier bei Sonnenschein unerträglich zauberhaft sein muss.

Die nahen Teefelder haben Hangzhou reich gemacht. So besuchen wir einen Millionär, dem man seinen Reichtum allerdings nicht ansieht. In zerfetzten Hosen steht er vor uns. Seine Zähne sind gefärbt, ob vom Tee oder vom Rauchen kann ich nicht genau sagen. Aber: sein grüner Tee ist wahres Gold wert. Wir trinken nur den normalen Schnitt. 100 Grammkosten "nur" 20 US-Dollar. Der Tee schmeckt köstlich - und er wärmt. 




Am Kaiserkanal wird der Regen stärker und wir flüchten passenderweise in das Schirmmuseum, das zu meinem Erstaunen tatsächlich einen Besuch wert ist - so schön sind die ausgestellten Figuren und Schirme. Jerry zieht mich weiter, fröhlich plaudernd als ob nichts gewesen wäre. Ich ahne: er hat irgendwas vor. Direkt neben an ist eine Handwerkshalle. Künstler arbeiten hier und zeigen Besuchern ihre Werke. Und genau vor einem der besten Papierschnitzern des Landes bleiben wir stehen. Ein chinesischer Wortwechsel folgt, ich habe keine Ahnung, was passiert. Nach wenigen Minuten aber weiß ich Bescheid. Der feine ältere Herr gibt mir ein Geschenk. Es ist ein Schmetterling. 

Als ich später in der 4qm großen Wanne im Spa des Hotels liege und über meine zu Ende gehende China-Reise nachdenke, kommt mir alles wie ein Traum vor. 

Das war ein perfekter erster Besuch im Reich der untergehenden Sonne. Wie immer war alles anders, viel schöner als erhofft, wie immer haben mich die Menschen positiv überracht, das Essen war noch besser als vermutet. Und wie immer frage ich mich, ob die CIA vom Four Seasons gelernt hat, die wissen nämlich alles über mich. Dass mir Schmetterlinge so viel bedeuten und sogar, dass ich manchmal Gummistiefel brauche.
 

Danke.

Auf meine Reise nach China hat mich das Four Seasons eingeladen. Tausend Dank!


Hangzhou? Wo ist das denn?

Es schüttet als ich am Nachmittag in Hangzhou ankomme. Überhaupt: Hangzhou. Wo ist das denn? Als ich das Wort vor meiner Reise nach China zum ersten Mal lese, denke ich: das muss eine kleine Stadt sein. Sonst hätte ich bestimmt schon mal davon gehört. Für chinesische Verhältnisse ist die Stadt auch recht klein. Nur 8 Millionen Menschen leben hier, so viel wie in New York City. Der Schnellzug von Shanghai hat mich in kurzer Zeit nach Süden gebracht. Am Bahnhof werde ich von meinem vornehmen Four Seasons Chauffeur abgeholt. Ein junger Mann. Wir quälen uns durch den Stau. Stoßstange an Stoßstange. Links und rechts hohe Betonwolkenkratzer. Aber auf den letzten Kilometer vor meinem Ziel wird es zunehmend schöner. Parks rechts und links. Kleinere Häuser, Farben.

Dann endlich fahren wir vor. Gleich als erstes fällt mir auf, wie sehr mich das Four Seasons Hangzhou an das schönste Hotel erinnert, in dem ich je war: Das Four Seasons Tented Camp in Thailand. Es ist kein großer Bunker, sondern besteht aus einzelnen im asiatischen Stil gehaltenen Häuschen. Alle mit Blick auf den See oder dem chinesischen Garten. Ich kann mir vorstellen, wie atemberaubend es hier im Frühling aussehen muss, wenn die Bäume blühen.
 
In der Lobby, es ist ja gerade Dezember, steht ein großer elegant geschmückter Weihnachtsbaum. Und zum ersten Mal wird mir ganz wohlig und weihnachtlich auf dieser Reise. Ich weiß schon: direkt nach meiner Rückkehr werde ich nach Hause fahren, zu meiner Schwester. Sie wird mich auf’s Sofa verfrachten, eine ihrer Kätzchen wird sich schnurrend auf mich schmeißen und ich werde bekocht und betüddelt werden. Bevor ich ganz sentimental werde, werde ich auf meine Suite gebracht. Sie ist riesig, elegant und in warmen Farben dekoriert und für die nächsten drei Nächte mein Zuhause. 

Ich hübsche mich ein wenig auf, denn ich bin zum Afternoon Tea verabredet. Und zwar mit dem Food & Beverage Manager Michael, der lustigerweise der Ehemann der Marketing-Managerin des Four Seasons Peking ist. Die Four Seasons Welt ist klein. Sie hatte ihm erzählt, dass ich leidenschaftlich gern esse und schon sitze ich mit ihm in der weihnachtlichen Lobby, trinke zum ersten Mal den berühmten grünen Tee von Hangzhou und plaudere über Köstlichkeiten, während es draußen unaufhörlich weiter pladdert. 

Ich bin mir nicht sicher, ob meine Verabredung für den Abend damit auch ins Wasser fällt. Denn ich soll zur West Lake Show  - das Hotel liegt direkt an einem malerischen See, auf dem allabendlich eine Wassershow stattfindet. Überhaupt, ich bin skeptisch, nicht nur wegen des Wetters, sondern auch, dass ich hier eine furchtbare touristische Darbietung ertragen muss. Eigentlich hätte mein Hotel nämlich auch das passende Alternativprogramm im Angebot - Filme schauen im Bett und dazu eine Roomservice-Karte, die ich so noch nicht gesehen habe. Cool!


Wenige Stunden später weiß ich: es ist gut, dass ich trotzdem den Verlockungen widerstanden habe und raus gegangen bin. Denn: ich habe mich gleich zweimal geirrt. Mit Regenschirm bewaffnet musste ich nur fünf Minuten am See entlang gehen, um dann festzustellen: man hatte mir einen wohlig warmen und trockenen Ehrenplatz besorgt, wettergeschützt in einem kleinen Boot auf dem See. Und schon die ersten Minuten der Show haben mich verzaubert. 

Natürlich geht es um eine klassische Liebesgeschichte. Junge und Mädchen, aus unterschiedlichen Schichten, verlieben sich in einander aber es soll nicht sein. 
 
Aber das, was die hundert Tänzer da mitten auf dem See vollbringen, ist so beeindruckend, dass ich mich ertappe wie ein Kind mit offenem Mund gebannt auf das Spektakel zu schauen. Sie tanzen auf Plateaus, die nicht unsichtbar kurz unter der Wasseroberfläche schimmen. Dramatisch schießen bei jedem Schritt Wasserfontänen in die Höhe. 

Die Musik, die Lichter, die Tänze machen die Show für mich zu einem Highlight meiner Chinareise. Und der Regen, der ist mir ehrlich gesagt mittlerweile auch total egal.

Vielen Dank an das Four Seasons für die Einladung auf diese Reise!