Gourmet-Segeltrip an der Smaragdküste

Die Kinder freuen sich. Sie jauchzen und sitzen in ihren kleinen Segelbooten der Segelschule und lassen sich auf's Wasser ziehen. Christine von Fans der Bretagne und ich schauen neidisch rüber, denn wir sind uns noch nicht sicher, ob wir gleich auch jauchzen werden. Angsthäsig wie wir sind haben wir eben gleich mal zwei Tabletten gegen Seekrankheit eingeworfen. Wer weiß...

Aber es kommt dann doch ganz anders. Die Crew, die wir treffen ist sympathisch und beruhigt uns. Den Gourmet-Segeltrip, den wir bei Cuisine Corsaire gebucht haben, hat noch jeder gesund überstanden, sagen sie. Aha. Das Team besteht aus dem Chefkoch Emmanuel Tessier und dem Kapitän Jérôme Foyer. Heute ist noch ein weiteres Crewmitglied dabei: ein Freund und passenderweise Sommelier, der ebenfalls Jérôme heißt. 

Sie sind schwer bepackt. Große Taschen voller Köstlichkeiten verkünden einen vielversprechenden Turn. Hunger hab ich auch schon, wie immer. 


Gourmetsegeln in der Bretagne / Gourmet Sailing in Brittany from Angie Reisefreunde on Vimeo.

Die Sonne knallt und färbt das Meer in ein helles grün. Darum wird die Ecke hier auch Smaragd Küste genannt. Der Anblick erinnert mich an die Seychellen. Wunderschön. 


Wir klettern auf das kleine Beiboot und der Kapitän schaut etwas mürrisch, als ich meine Kamera zücke um Bilder für mein Video einzufangen. An Publicity ist er nicht gewöhnt, aber schnell ändere ich das. Emmanuel hingegen kennt das schon. Schließlich stand er jahrelang als Souschef in der Küche eine 3-Michelin-Sterne Restaurants. Da kommt auch schon mal die Presse vorbei. 

 Wir erreichen unser Segelboot. Es ist ein wunderschönes Holzboot, betagt aber sehr gut in Schuss. Schnell weißt der Kapitän die Mitreisenden an mit an zu packen um das Boot startklar zu machen. Meine Kamera im Anschlag werde ich verschont - ich habe eh null Ahnung vom Segeln und kann kaum Backbord von Steuerbord unterscheiden. Glück gehabt! 




Per Kanu kommt dann noch ein weiterer Gast an Bord, auch er scheint ein Freund des Hauses zu sein. Er heißt Gaël. Und als wir feststellen, dass unser anderer weiblicher Gast auch Christine heißt, ist die Verwirrung komplett. Der Kapitän nennt die beiden Christinen an Bord fortan nur noch "Christine bleue" und "Christine jaune" - nach den Farben ihrer Jacken - blau und gelb.


Das wird eine lustige Runde, bin ich mir sicher. Die Segel werden gehisst, der Wind ist stetig und gleichmäßig und wir ziehen los. Emmanuel macht sich sofort an die Arbeit, bereitet seien Arbeitsplatz am Bug des Bootes vor während uns Jérôme aus der Bucht steuert. Wir nehmen richtig Fahrt auf und halten schon wenige Minuten später an einer Boje, die mir gar nicht aufgefallen war. Gaël und der Sommelier Jérôme ziehen an dem Seil - gefühlte Ewigkeiten dauert es, bis endlich ein Korb sichtbar wird, den sie an Bord hieven. Ein "geil" schießt sich aus meinem Mund hervor, als ich sehe, was sich darin befindet: ein blauer Bretonischer Hummer. Wahnsinn. Es ist zwar nur einer, Emmanuel erzählt er hätte auf zwei gehofft, aber wir sind zufrieden. 

Aber wir beginnen unseren kulinarischen Ausflug mit einem frischen Tomatensalat. Schon hier weiß ich, dass Emmanuel einen liebenswerten Gourmetfetisch hat: es steht auf Gewürze und kombiniert diese so geschickt, dass ich bei jedem Bissen der folgenden Gänge laut seufzen muss. Es folgen frische Austern, kleine Süppchen, ein Jakobsmuschel Carpaccio und und und... Ich kann kaum noch mitzählen. 



 Dazu reicht uns der Sommelier passende Weine und die Natur der Küste formt die schönste Kulisse. Wie im Traum. Zum krönenden Abschluss an Bord wird der Grill angeschmissen und Emmanuel bereitet den Hummer vor. Ich kann nicht hinschauen, zugegeben ist Genuss ja oft - wie auch hier - mit Grausamkeit verbunden. Ich weiß, dass das schlecht ist, auch für mein Karma  - und wie immer nach so einer Reise werde ich „raw vegan“ leben. 

Wir laufen in den Hafen von Cancale ein und können sprichwörtlich zusehen, wie sich das Meer schnell zurückzieht. Ebenso hurtig müssen nun wir das Boot fertig machen und zusehen, dass wir Land gewinnen. Gaelle zaubert irgendwo ein kleines Gummiboot hervor und bringt uns zügig an die Treppe der Kaimauer. Innerhalb von wenigen Minuten sind wir alle oben, der Kapitän verlässt natürlich das Boot als letzter.

Aber ein echtes Gourmetessen ist kein richtiges Gourmetessen, wenn nicht noch ein Dessert gereicht werden würde. Emmanuel hat dies für die Kaimauer vorbreitet. 

Frische Erdbeeren, süß und saftig, wie sie sein müssen und dann auch noch ein Curry Macaron, der mir die Sprache verschlägt. Dafür, finde ich, hat er sich einen Platz in meine "Kiss a Chef" - Galerie verdient. 

Und wie schafft man es, mit sieben Personen wieder zurück zur ersten Anlegestelle zukommen? In einem ganz normalen Auto? Auf die bretonische Art. Ungewöhnlich. Aber seht selbst. Ein perfekter Abschluss für einen perfekten Ausflug - nur die Tabletten hätte ich sicherlich nicht gebraucht.

Merci an meine Mitreisenden, dem Team von Cuisine Corsaire und natürlich dem Bretonischen Fremdenverkehrsamt für die Unterstützung. 


3 Kommentare:

  1. Ganz toller Bericht! Danke dafür!

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  2. Super toller Bericht! :) Mehr davon!!!

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  3. Wie schön...mir läuft das Wasser im Mund zusammen...vom Fernweh ganz zu schweigen...

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